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Marina Marinov - oder mit Leidenschaft dabei

  • 09.10.2013
  • Hintergründe

Ein Wort charakterisiert Marina Marinov, Bau-Expertin der Projektkommission (Copro) der Glückskette, mehr denn jedes andere: Leidenschaft. Diese zeigt sich an den Sitzungen der Copro ebenso wie bei Projektbesuchen. Marina Marinov geht den Dingen auf den Grund, stellt präzise Fragen und gibt nicht auf, ehe sie nicht eine klare Antwort erhalten hat.

Architektur beschränkt sich für Marina Marinov nicht einfach auf den Bau eines Hauses. Die Projekte, welche die Hilfswerke der Copro unterbreiten sieht sie als Ganzes: Bau, Wasser, Gesundheitsaspekt, kulturelle Identität, Schulung und einkommensgenerierende Aktivitäten bilden in ihren Augen eine Einheit. Sie sagt: «Ich konzentriere mich nicht einfach auf den Aspekt Haus, sondern vor allem auf die Bedeutung von Wohnen».

Dieses Kredo spiegelt auch ihr beruflicher Werdegang. Als Architektin EPFL mit einem Master in Entwicklung & angepasster Technologie absolviert Marina ihr obligatorisches Praktikum in Brasilien und das Nachdiplomstudium in Entwicklung in Burkina Faso. Diese ersten Auslandaufenthalte öffnen ihr die Augen und bekräftigen ihre Leidenschaft für die Entwicklungszusammenarbeit: Sie arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in den Slums von Manila und für die DEZA in El Salvador, dem Iran, in Sierra Leone sowie in mehreren anderen sehr fragilen Kontexten.

Diese Erfahrung machte sie zur idealen Kandidatin für die Nachfolge von Tom Schacher («meinem Mentor», wie sie anfügt) als Bau-Expertin in der Copro. Marina Marinov bittet jedoch um Bedenkzeit. Sie zögert angesichts Arbeitsbelastung und Privatleben mit drei kleinen Mädchen, darunter Zwillingen. Um sich ein konkretes Bild zu machen, wird sie als Beobachterin zu einer Copro-Sitzung eingeladen. «Die Professionalität, die Atmosphäre und die Personen am Sitzungstisch haben mich auf der Stelle überzeugt. Diese Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen», erinnert sie sich. Sie sagte zu.

Drei Jahre später bereut Marina Marinov nichts. Sie findet es faszinierend, die Projekte von allen Seiten zu beurteilen und von der Erfahrung und dem Wissen der Experten am Tisch zu profitieren, speziell von den Vertretern der Hilfswerke. Nach der Beurteilung von mehr als 80 Projekten für die Copro weiss Marina Marinov heute, die Schweizer Partner-Hilfswerke der Glückskette verfügen über ein grosses Wissen und vor allem sehen sie das Humanitäre als Kontinuum, das die Nothilfe an den Wiederaufbau und die erste Phase von Entwicklung bindet. Als Beispiel nennt sie die Projekte in Haiti, wo die Partner der Glückskette mehr als 2'300 dauerhafte Häuser mit Latrinen und einem Anschluss an eine Wasserstelle gebaut haben.

Marina Marinov arbeitet in der Schweiz in einem Architekturbüro. Erweist sich die Verbindung von Architektur in der Schweiz und Glückskette-Projekten in Post-Katastrophensituationen nicht als schwierig? «Die Problematik ist die selbe», versichert sie. Man muss den Kontext analysieren, muss kreativ sein, die Materialien kennen und Kriterien, Vorschriften und Budgets einhalten. Und fügt mit Überzeugung hinzu: «Nur weil man in einem Entwicklungsland ist, heisst das nicht, dass man Konzessionen bei der Qualität machen kann.»

Diese Überzeugung legte sie bereits an der allerersten Sitzung der Copro an den Tag, an der sie als beauftragte Expertin teilnahm. Das Bauprojekt, sie bezeichnet es noch heute lachend als «Sputnik-Projekt», fand keine Gnade bei ihr. Das vorgeschlagene Modell trug weder dem Kontext und noch weniger der Kultur des Landes Rechnung. Ebenso wie es auch die Techniken und das bauliche Können des Landes nicht mit einbezog. Nach neunmonatigen Diskussionen fanden die Copro und das betroffene Hilfswerk schliesslich eine von beiden Seiten getragene Lösung.

Seither haben die Hilfswerke gelernt, sich an die Anforderungen der Copro und den «Marinov-Stil» zu gewöhnen. Und wenn sie die Einwände nicht verstehen, bleibt sie beharrlich, nötigenfalls mit erhobener Stimme. Mitunter versichert sie sich ihres Stils, ob sie nicht zu fordernd gewesen sei. Nach einer Sitzung mit den Bauspezialisten eines Hilfswerkes in einem abgelegenen Dorf Haitis wollte sie von ihren Kollegen wissen: «Wie fandet ihr meine Intervention?» Es gab nur eine mögliche Antwort: «Du warst mit Leidenschaft dabei».

Zum Video (auf Französisch): Internationale Zusammenarbeit, eine Berufung - Architektin und Bau-Expertin


Marina Marinov: «Es ist wichtig, die technischen Aspekte zu kennen, um ein Haus so zu bauen, dass es einem Erdbeben, einem Zyklon oder einer Überschwemmung standhält.»

 

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