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Beata Godenzi: «Ich sehe mich in der Rolle der Dirigentin»

  • 04.01.2016
  • Hintergründe

Die neue Präsidentin der Projektkommission International (COPRO-INT) und der Projektkommission Schweiz (COPRO-CH), Beata Godenzi, sieht sich in der Rolle einer Dirigentin, die für die Bedürfnisse der Opfer von Katastrophen und humanitären Krisen die bestmöglichen Lösungen finden muss.

Ihre Partituren beherrscht sie virtuos: Sie hat über 15 Jahre Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit im Ausland, insbesondere bei der DEZA, aber auch bei der UNO und bei Hilfswerken vor Ort. Heute engagiert sie sich auf lokaler Ebene als Kinderbeauftragte in Onex (Kanton Genf). Ihr Leitmotiv? Sie fördert den Brückenschlag zwischen Entwicklungshilfe und Nothilfe und setzt sich für eine bessere Komplementarität zwischen Individuen-zentrierten Ansätzen und kollektiven Initiativen ein, damit individuelle Mechanismen schlussendlich dem Gemeinwohl dienen und umgekehrt.

Sie sind die erste Frau an der Spitze der beiden Kommissionen. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
Schon sehr früh habe ich dank eines Hilfswerks meinen ersten Freiwilligeneinsatz in Brasilien gemacht. Das war noch vor meinem Studium in den Politikwissenschaften und ich war von dem, was ich gesehen habe, sehr berührt und beeindruckt. Trotz Armut und Ungerechtigkeiten waren die Frauen, mit denen ich dort gearbeitet habe, von einer unglaublichen Kraft und Überzeugung angetrieben, die Dinge verbessern zu können. Sie nahmen ihr Schicksal in die Hand und eröffneten sich mit ihrem Idealismus, ihrer Solidarität, ihrem Feingefühl und ihrer physischen und psychischen Widerstandskraft neue Wege.

Diese Erfahrung hat mich der Welt gegenüber geöffnet und mich dazu motiviert, die Gesellschaft zu verbessern und mich mit globalen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Als Präsidentin möchte ich konstruktive Diskussionen anregen und innovative Ideen fördern. Die Positionen von jedem Einzelnen sollen in den gemeinsamen Reflexionsprozess einfliessen und so die qualitativ hochwertige humanitäre Arbeit fördern.

Was sind Ihre Prioritäten bei der Sicherstellung dieser Qualität?
Wir müssen dafür sorgen, dass die Hilfsorganisationen vor Ort nicht nur gut verankert sind und die humanitären Prinzipien beherrschen, sondern dass sie auch den lokalen Kontext gut kennen und technische Expertise besitzen. Jeder Kontext ist anders und auch wenn es sicherlich Überschneidungen gibt, gilt es, sich eine grundlegende Frage zu stellen: Sind die Bedürfnisse bei der Erstversorgung überall gleich? Wo liegen die Prioritäten? Welche Hilfe muss geleistet werden?

Gleichzeitig muss ich dafür sorgen, dass sich die einzelnen Akteure ergänzen, dass sie sich von einem Konkurrenzdenken verabschieden und stattdessen zusammenarbeiten und sich vom Wettbewerb antreiben lassen. Hilfswerke, Regierungen und multilaterale Agenturen können so ausserordentlich viel bewirken, wenn sie zusammenarbeiten und Katastrophenopfer vielmehr als Menschen mit einer Vielzahl von Ressourcen ansehen. Dank meiner Erfahrung mit diesen unterschiedlichen Akteuren, auch mit den Empfängerinnen und Empfängern der Hilfe, weiss ich, wie sie funktionieren, wo ihre Stärken liegen und was ihre Grenzen sind.

Was wollen Sie in die Projektkommission International einbringen?
Die Glückskette muss zusammen mit den Hilfsorganisationen über die Instrumente der humanitären Akteure nachdenken, um die Relevanz und Wirksamkeit der Projekte – und der Interventionen der Schweizer Akteure im weiteren Sinne – zu gewährleisten und über die Logik einer Finanzierung Projekt für Projekt hinauszugehen. Ich möchte auch darüber nachdenken, inwiefern wir innovative Mechanismen, zum Beispiel die Vernetzung von Akteuren, einbringen und wie wir das Know-how der Schweizer Hilfswerke besser nutzen können – gerade gegenüber dem so nahe liegenden internationalen Genf. Ich möchte zudem zusammen mit Fachpersonen und den Schweizer Akteuren das Qualitätssicherungsverfahren weiterentwickeln, damit die Qualität der Projekte nicht nur im Vorfeld sondern auch fortlaufend gesichert wird und die direkten Begünstigten mitreden können.

Ist die Nachhaltigkeit der humanitären Intervention also eine Ihrer Prioritäten?
Ja. Wir müssen bei Interventionen immer von Anfang an auch die langfristige Relevanz im Auge haben und nicht nur die sofortige Entlastung der betroffenen Bevölkerung. Das ist schwer umzusetzen, da die Standardmassnahmen in erster Linie effizient und schnell umsetzbar sein sollen. Es wäre zum Beispiel interessant, über die Beschaffung von Nothilfematerial nachzudenken, das oft sehr weit vom Ort der Katastrophe entfernt eingekauft wird. Oder über die Prozesse zur Identifizierung der Empfängerinnen und Empfänger der Hilfe. Dabei werden Kompetenzen der Begünstigten üblicherweise nicht aufgeführt, obwohl diese gerade in Notsituationen sehr wichtig sind.

Wie sehen Sie die Rolle der Glückskette in Bezug auf die Komplexität der Sozialhilfe in der Schweiz?
Ich glaube, dass die Glückskette einen Nährboden für neue Ideen bieten sollte. So kann sie sich langfristig in die Diskussion über die Relevanz und Bedingungen der Sozialhilfe in der Schweiz einbringen. Der Bund spielt eine wichtige Rolle in der Schweizer Sozialhilfe. Zahlreiche private und halböffentliche Organisationen, insbesondere Vereine, leisten spezifische Unterstützung, die oft vom Bund oder von den Kantonen finanziert wird. Und trotzdem ist auch die Glückskette eine wichtige Akteurin. Aber was ist zukünftig ihre Aufgabe? Es liegt in meinem Interesse, dass die Glückskette in der Schweiz innovative Sozialhilfeprojekte durchführt, welche die bestehende Sozialhilfe ergänzen, die Ressourcen von Einzelnen fördern und eine soziale Eingliederung ermöglichen.

Was ist Ihre Vision bezüglich der Solidarität?
Solidarität ist für mich eine kollektive Angelegenheit – nicht nur per Definition, sondern auch weil sie die individuellen Ressourcen der Empfängerinnen und Empfänger aktiviert. Die Glückskette, also der Ausdruck der solidarischen Schweiz, wie es schon der Slogan sagt, ermöglicht die Solidarität auf einem globalen Niveau. Sie gibt den Akteuren, und in der Folge auch den Opfern von Krisen und Katastrophen, die Mittel, ihre Handlungsfähigkeit zu stärken und somit wieder einen Sinn im Leben zu finden.

Dass ich zum grossen Solidaritätsnetzwerk der Glückskette beitragen kann, motiviert mich ungemein. Ich schätze meine Arbeit mit den Projektkommissionen sehr. Wir können dort darüber nachdenken, wie wir in einem Kontext der Zusammenarbeit am besten Handeln und wie wir die individuellen und gemeinschaftlichen Kapazitäten zum Wohl aller ausbauen, auch für unsere Interventionen in der Schweiz.

Die Glückskette ist eine Stiftung, gegründet auf Initiative der SRG SSR | Partnerschaft & Zusammenarbeit

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Vereinigung «Privatradios pro Glückskette» (PPG)

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13 Privatradios in der Deutschschweiz haben sich zur Vereinigung «Privatradios pro Glückskette» zusammengeschlossen und unterstützen aktiv Spendenaufrufe, Sammeltage und weitere Aktivitäten der Glückskette. 

 

 

 

Keystone

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Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Dank der Partnerschaft mit der international tätigen Schweizer Bildagentur Keystone verfügt die Glückskette jederzeit kostenlos über ein umfassendes Angebot an aktuellen Bildern.

Keystone wirft einen Schweizerischen Blick auf unser Land und die Welt. Mit einem Team von 20 festangestellten Fotografinnen und Fotografen in der ganzen Schweiz und internationalen Partneragenturen wird sichergestellt, dass kein aktuelles Ereignis verpasst wird. Als grösste Bildagentur der Schweiz verfügt Keystone ausserdem über einen fast unendlichen Fundus zur sozialen Geschichte der Schweiz (rund 11 Millionen Archivbilder).

 

Swisscom

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Ein nationaler Sammeltag der Glückskette ist ohne das Telefondispositiv von Swisscom undenkbar: zwischen 120 und 150 Telefonleitungen werden – regional sortiert – in sechs Sammelzentralen – die ebenfalls von der Swisscom ausgerüstet werden – geleitet. Am Tsunami-Sammeltag beispielsweise wurden so über 70'000 Anrufe bewältigt. Diese Dienstleistung ist an Sammeltagen gratis.

Das Internet als Kommunikationsmittel ist auch bei der Glückskette zentral. Die Swisscom AG unterstützt deshalb Jahr für Jahr den Internetauftritt der Glückskette mit einem namhaften Betrag. Swisscom (früher PTT) ist seit über sechzig Jahren treue Partnerin der Glückskette.

SRG SSR

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Die Glückskette entstand 1946 als Radiosendung in der Westschweiz – ihre erste Sammlung galt Waisenkindern des 2. Weltkriegs. Die Idee wuchs und wuchs und 1983 wurde die Glückskette eine von der SRG initiierte Stiftung. Die Glückskette ist heute eine Stiftung, welche Spenden sammelt für humanitäre Hilfsprojekte nach wie vor angeführt durch die SRG SSR.

An nationalen Solidaritäts- und Sammeltagen ist die «Glückskette» der Ausdruck von Solidarität und Hilfe der gesamten Bevölkerung in der ganzen Schweiz. Dies ist nur möglich, weil die SRG SSR ihre Sendungen kostenlos der Glückskette zur Verfügung stellt. Die Glückskette ist selber – mit wenigen Ausnahmen – keine Hilfsorganisation, sondern ein Solidarwerk, welches zurzeit mit  25 Schweizer Hilfswerken zusammenarbeitet.

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