Erdbeben Nepal

Nepal: Nothilfe vor der Regenzeit

  • 10.06.2015
  • Erdbeben Nepal

Die Nothilfe in Nepal läuft auf Hochtouren: die Partnerhilfswerke der Glückskette stehen unter enormen Zeitdruck, denn die Regenzeit kündigt sich bereits an und die unwegsamen Strassen in die Berggebiete werden bald unpassierbar sein. Fast drei Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Die Glückskette machte sich vier Wochen nach dem nationalen Sammeltag selber ein Bild vor Ort über die laufenden Hilfsarbeiten.

Während die Zerstörung in Kathmandu auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, wird diese auf dem Land offensichtlich: rund drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt, liegen im Dorf Saku ganze Häuserzeilen flach. Hier allein starben 60 Menschen in den Trümmern. 14 Partnerhilfswerke der Glückskette waren bereits vor den beiden Erdbeben vor Ort und konnten nur wenige Stunden nach der Katastrophe mit der Nothilfe beginnen: medizinische Versorgung, Verteilung von Zelten und Nothilfe-Material (Blachen, Matratzen, Wolldecken, etc.) oder Nahrungsmitteln und Saatgut. Wendy van Amerongen ist für Medair unterwegs und berichtet: «Ich bin beeindruckt von der Willensstärke der Dorfgemeinschaften. Aber viele Menschen sind traumatisiert und es hilft ihnen, wenn sie uns über das Erlebte berichten können, während wir ihnen Unterstützung bringen. Ich höre ihnen dann einfach zu.»

Hilfe für abgelegene Berggebiete
Fast 9000 Menschen haben bei der Katastrophe ihr Leben verloren und mehrere Tausend wurden schwer verletzt. Audrey Lecomte von Handicap International koordiniert die Nothilfe: «Die Zeit wird knapp, weil bald die Regenzeit beginnt und es ist noch wichtiger, möglichst rasch auch in die entlegensten Gebiete zu gelangen und Hilfe zu leisten.» Einige Patienten wurden mit Helikoptern für die Behandlung aus den entlegenen Gebieten in die Hauptstadt geflogen. Hier müssen sie nach der Behandlung die überfüllten Spitäler so schnell wie möglich wieder verlassen und werden etwa von Handicap International in temporären Aufnahmezentren untergebracht und von Physiotherapeuten teilweise noch wochenlang betreut, bevor sie sich auf den beschwerlichen Heimweg machen können.

Terre des hommes – Kinderhilfe andererseits arbeitet mit mobilen Kliniken, welche jeden Tag an einem anderen Ort aufgestellt werden, damit die Patienten sich vor Ort untersuchen und behandeln lassen können oder sie werden in ein Spital weiter verwiesen. Gleichzeitig werden traumatisierte Kinder spielerisch betreut und die Eltern von fachkundigem Personal beraten. «Das Erdbeben hat nicht nur zerstört, verletzt und getötet, es hat sich tief in den Gedanken festgesetzt», führt der Leiter von Terres des hommes in Nepal an. «Die Abwechslung vom Alltag bringt Kinder auf andere Gedanken und durch die Beratung unterstützen wir sie die Situation zu verarbeiten.»

Planung für Wiederaufbau
Viele Menschen haben sich nach der Katastrophe sofort selber geholfen: z.B. die Wellblechdächer abgebaut und daraus eine Hütte oder mit den gelieferten Blachen behelfsmässig einen Unterstand aufgebaut. Viele dieser Menschen hätten gerne so schnell wie möglich Material, um ihr Haus wieder aufzubauen und ihnen fehlen die Mittel dazu. Ausserdem sind die Preise, z.B. für Ziegelsteine unmittelbar nach dem Erdbeben um 100 % und für Bambus zum Teil auf das Dreifache angestiegen.

Expertinnen und Experten der internationalen Organisationen prüfen nun, wie die Häuser mit dem Bestehenden oder zusätzlichen Material am besten und erdbebensicher wieder aufgebaut werden können. Aber diese Abklärungen brauchen Zeit. Unterdessen errichten zum Beispiel Helvetas in Zusammenarbeit mit Caritas oder auch Terre des hommes – Kinderhilfe temporäre Schulzelte, denn die Kinder sollen überall so rasch wie möglich wieder in die Normalität des Schulalltags zurückkehren können.

Die Glückskette unterstützt bisher fünf Nothilfeprojekte von ADRA, Handicap International, Medair, Solidar Suisse und Terres des hommes. Weitere Hilfswerke haben bereits angekündigt, dass sie ebenfalls bereits laufende Nothilfeprojekte zur Finanzierung unterbreiten werden. Diese Projekte werden von der Glückskette entsprechend rückfinanziert.

Reportagen von RADIO BERN1:

    Die Glückskette ist eine Stiftung, gegründet auf Initiative der SRG SSR | Partnerschaft & Zusammenarbeit

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    Vereinigung «Privatradios pro Glückskette» (PPG)

    Privatradios Pro

    13 Privatradios in der Deutschschweiz haben sich zur Vereinigung «Privatradios pro Glückskette» zusammengeschlossen und unterstützen aktiv Spendenaufrufe, Sammeltage und weitere Aktivitäten der Glückskette. 

     

     

     

    Keystone

    Keystone

    Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Dank der Partnerschaft mit der international tätigen Schweizer Bildagentur Keystone verfügt die Glückskette jederzeit kostenlos über ein umfassendes Angebot an aktuellen Bildern.

    Keystone wirft einen Schweizerischen Blick auf unser Land und die Welt. Mit einem Team von 20 festangestellten Fotografinnen und Fotografen in der ganzen Schweiz und internationalen Partneragenturen wird sichergestellt, dass kein aktuelles Ereignis verpasst wird. Als grösste Bildagentur der Schweiz verfügt Keystone ausserdem über einen fast unendlichen Fundus zur sozialen Geschichte der Schweiz (rund 11 Millionen Archivbilder).

     

    Swisscom

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    Ein nationaler Sammeltag der Glückskette ist ohne das Telefondispositiv von Swisscom undenkbar: zwischen 120 und 150 Telefonleitungen werden – regional sortiert – in sechs Sammelzentralen – die ebenfalls von der Swisscom ausgerüstet werden – geleitet. Am Tsunami-Sammeltag beispielsweise wurden so über 70'000 Anrufe bewältigt. Diese Dienstleistung ist an Sammeltagen gratis.

    Das Internet als Kommunikationsmittel ist auch bei der Glückskette zentral. Die Swisscom AG unterstützt deshalb Jahr für Jahr den Internetauftritt der Glückskette mit einem namhaften Betrag. Swisscom (früher PTT) ist seit über sechzig Jahren treue Partnerin der Glückskette.

    SRG SSR

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    Die Glückskette entstand 1946 als Radiosendung in der Westschweiz – ihre erste Sammlung galt Waisenkindern des 2. Weltkriegs. Die Idee wuchs und wuchs und 1983 wurde die Glückskette eine von der SRG initiierte Stiftung. Die Glückskette ist heute eine Stiftung, welche Spenden sammelt für humanitäre Hilfsprojekte nach wie vor angeführt durch die SRG SSR.

    An nationalen Solidaritäts- und Sammeltagen ist die «Glückskette» der Ausdruck von Solidarität und Hilfe der gesamten Bevölkerung in der ganzen Schweiz. Dies ist nur möglich, weil die SRG SSR ihre Sendungen kostenlos der Glückskette zur Verfügung stellt. Die Glückskette ist selber – mit wenigen Ausnahmen – keine Hilfsorganisation, sondern ein Solidarwerk, welches zurzeit mit  25 Schweizer Hilfswerken zusammenarbeitet.

    Die Verbundenheit mit der SRG SSR zeigt sich darin, dass die Unternehmenseinheiten SRF, RTS, RTR und RSI alle mit einem Sitz im Stiftungsrat vertreten.