Asien 2009

Sumatra: Fünf Monate nach dem Erdbeben

  • 19.03.2010
  • Asien 2009

Ende September 2009 bebte die Erde auf der indonesischen Insel Sumatra heftig. Die Region Padang wurde von einem Erdbeben der Stärke 7,6 auf der Richterskala besonders stark betroffen. Fünf Monate später ist die Soforthilfe abgeschlossen und die Errichtung von provisorischen Unterkünften und Massnahmen für den Wiederaufbau – auch in wirtschaftlicher Hinsicht - sind im Gang. Alain Geiger, Projektverantwortlicher der Glückskette, hat sich vor Ort begeben, um die nach dem Erdbeben bereitgestellten Notunterkünfte zu inspizieren. Vier von der Glückskette unterstützte Projekte werden von vier verschiedenen Hilfswerken realisiert.

Was waren Ihre ersten Eindrücke, als Sie dort ankamen?
Bei der Ankunft in Padang sind die Schäden kaum sichtbar. Je mehr man sich aber aus  der Stadt entfernt, desto mehr wird man sich des Ausmasses des Erdbebens bewusst. Die Hilfe von aussen reicht bei Weitem nicht aus, um die Bedürfnisse zu decken. Bis jetzt haben nur 12 % der betroffenen Familien eine Unterstützung für eine provisorische Unterkunft erhalten, bevor ihr Haus wiederaufgebaut werden kann. Nach den Schrecken der ersten Wochen sind viele Familien in ihre beschädigten Häuser zurückgekehrt, wo sie aber im Fall eines neuen Erdbebens grossen Risiken ausgesetzt sind. Und Erdstösse gibt es immer wieder: Ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala ereignete sich während unseres Aufenthalts in Padang, zum Glück ohne grössere Schäden zu verursachen.

Wie ist der Stand der Wiederaufbauprojekte?

In Begleitung eines spezialisierten Architekten besuchte die Glückskette die von den Partnerorganisationen realisierten Notunterkunftsprojekte. Die Unterkünfte sind im Grossen und Ganzen gut gebaut. Die meisten haben eine Lebensdauer von etwa drei Jahren, was den Familien die erforderliche Zeit gibt, um nach und nach ein dauerhaftes Haus wiederaufzubauen. Zudem ermöglicht diese Unterkunft den Familien, den Raum gemäss ihren Wünschen einzurichten. Eine Familie hat zum Beispiel die Wände mit Ziegelstein-Tapeten überklebt, damit es aussieht, als ob sie in einem "wirklichen" Haus wohnen. Obwohl die Familien unterschiedlich gross sind, ist die Grösse der Unterkünfte aber eingeschränkt und standardisiert. Priorität haben die am meisten betroffenen Haushalte. Aber auch von ihnen wird ein Beitrag in Form von Mitarbeit, Material oder Geld gefordert.

Konnte man sich die Erfahrungen der Hilfsprojekte nach dem Tsunami zunutze machen?
Das war in der Katastrophe sicher ein Vorteil: Der Norden Sumatras war vom Tsunami im Dezember 2004 mit voller Wucht getroffen worden. Die Partnerorganisationen der Glückskette haben seit 2005 Netzwerke aufgebaut, Kontakte geknüpft und Erfahrungen bei der Katastrophenhilfe auf der Insel Sumatra gesammelt. Mehrere Organisationen konnten auf erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen, die bereits vorher die Notunterkünfte nach dem Tsunami realisiert hatten. Das hat die Auswahl des in diesem Klima brauchbaren Materials, aber auch die technische Unterstützung bei der Errichtung der Unterkünfte erleichtert.

Welchen Bereichen werden sich die von der Glückskette unterstützten Projekte der Partnerhilfswerke weiterhin widmen?

Die Regierung schliesst die ausländischen Organisationen vom physischen Wiederaufbau der Häuser aus. Die Partnerorganisationen der Glückskette wollen deshalb indirekt zu einer besseren baulichen Qualität beitragen, indem sie die einheimischen Fachleute im Bereich des erdbebensicheren Bauens ausbilden und für die Dringlichkeit dieser Vorkehrungen sensibilisieren. In anderen Programmen werden Schulungen durchgeführt, insbesondere in den Schulen, damit diese bei Katastrophen besser vorbereitet und organisiert sind.

    Die Glückskette ist eine Stiftung, gegründet auf Initiative der SRG SSR | Partnerschaft & Zusammenarbeit

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    Ein nationaler Sammeltag der Glückskette ist ohne das Telefondispositiv von Swisscom undenkbar: zwischen 120 und 150 Telefonleitungen werden – regional sortiert – in sechs Sammelzentralen – die ebenfalls von der Swisscom ausgerüstet werden – geleitet. Am Tsunami-Sammeltag beispielsweise wurden so über 70'000 Anrufe bewältigt. Diese Dienstleistung ist an Sammeltagen gratis.

    Das Internet als Kommunikationsmittel ist auch bei der Glückskette zentral. Die Swisscom AG unterstützt deshalb Jahr für Jahr den Internetauftritt der Glückskette mit einem namhaften Betrag. Swisscom (früher PTT) ist seit über sechzig Jahren treue Partnerin der Glückskette.

    SRG SSR

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    Die Glückskette entstand 1946 als Radiosendung in der Westschweiz – ihre erste Sammlung galt Waisenkindern des 2. Weltkriegs. Die Idee wuchs und wuchs und 1983 wurde die Glückskette eine von der SRG initiierte Stiftung. Die Glückskette ist heute eine Stiftung, welche Spenden sammelt für humanitäre Hilfsprojekte nach wie vor angeführt durch die SRG SSR.

    An nationalen Solidaritäts- und Sammeltagen ist die «Glückskette» der Ausdruck von Solidarität und Hilfe der gesamten Bevölkerung in der ganzen Schweiz. Dies ist nur möglich, weil die SRG SSR ihre Sendungen kostenlos der Glückskette zur Verfügung stellt. Die Glückskette ist selber – mit wenigen Ausnahmen – keine Hilfsorganisation, sondern ein Solidarwerk, welches zurzeit mit  25 Schweizer Hilfswerken zusammenarbeitet.

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