Überschwemmungen Pakistan

Haiti und Pakistan: Kommt die Hilfe an?

  • 05.09.2010
  • Überschwemmungen Pakistan

Seit Jahresbeginn haben zwei Katastrophen der Bevölkerung in zwei Weltregionen unermessliches Leid gebracht. Nach dem Erdbeben in Haiti und den Überschwemmungen in Pakistan haben Millionen Menschen ihr ganzes Hab und Gut verloren. Félix Bollmann, Direktor der Glückskette, informiert über den Stand der von der Stiftung finanzierten Hilfeleistungen.

Sowohl in Haiti als auch in Pakistan scheint die Hilfe nur langsam voranzukommen. Stimmt dieser Eindruck?

In Pakistan beginnt das Wasser erst jetzt abzufliessen. Von der Flutkatastrophe ist nicht nur eine riesige Fläche Land, sondern auch eine enorm hohe Anzahl Menschen betroffen. Die Notleidenden sind zum Teil immer noch schwierig zu erreichen, und es wird noch Monate dauern, bis alle Bedürfnisse abgeklärt sind.

Im Fall von Haiti wird ein Phänomen sichtbar, das leider bei jeder Katastrophe zu beobachten ist, sei dies in der Schweiz oder in anderen Teilen der Welt: die zeitliche Diskrepanz zwischen der grossen Solidaritätswelle und der akuten Notsituation einerseits und dem eigentlichen Wiederaufbau andererseits. Die lokalen Behörden stehen nach einer Katastrophe unter gewaltigem Druck: Sie müssen von einem Tag auf den anderen ihr eigenes Schicksal und das der Bevölkerung meistern und stehen gleichzeitig vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihres Landes. Dann strömen auch noch internationale Organisationen und Nichtregierungsorganisationen ins Land. Unter diesen Umständen sind die oftmals noch lange geschwächten Behörden mit den Problemen im Zusammenhang mit Räumungsarbeiten, Bodenrechten oder Besitzverhältnissen extrem gefordert.

Welches sind die wichtigsten Aufgaben der Nichtregierungsorganisationen (NGO’s)?

Die Hilfswerke verfolgen zwei Ziele: In einer ersten Phase geht es darum, das Überleben der notleidenden Bevölkerung zu sichern (medizinische Versorgung, Verteilung von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, provisorischen Unterkünften usw.), wobei die Koordination unter den Hilfswerken und mit den lokalen Behörden einen besonderen Stellenwert hat. In einer zweiten Phase rückt der Wiederaufbau in den Vordergrund. Er kann allerdings erst in Angriff genommen werden, wenn die Behörden die Rahmenbedingungen festgelegt und entsprechende Pläne ausgearbeitet haben. Die Hilfswerke können und dürfen den Behörden diese politische und soziale Verantwortung nicht abnehmen.

Welches sind momentan die grössten Herausforderungen?

In Haiti sind es die grossen Schuttmengen, die Besitzverhältnisse und die Einfuhrbestimmungen, welche die Arbeiten zum Teil stark behindern. Ausserhalb der Grossstädte Gressier, Léogane und Petit-Goâve kann die Glückskette jedoch bereits Pilotprojekte für den Wiederaufbau von Wohnhäusern unterstützen.

In Pakistan ist es noch zu früh, um vom Wiederaufbau zu sprechen. Aber im Norden des Landes kann diesen Winter oder unmittelbar danach mit der Instandsetzung und dem Wiederaufbau begonnen werden, da hier das Wasser abgeflossen ist. Im Süden hingegen stehen noch viele Regionen unter Wasser, was die Arbeiten erschwert.

Wieviele Projekte unterstützt die Glückskette zurzeit?

In Haiti wurden bereits 10 Millionen Franken eingesetzt. Zurzeit überprüft die Projektkommission Wiederaufbauprojekte im Umfang von weiteren 5 Millionen.

In Pakistan leisten acht Partnerhilfswerke Nothilfe und haben der Glückskette entsprechende Projekte zur Finanzierung eingereicht. Zudem läuft weiterhin die Sammelaktion – es gehen immer noch Spendengelder ein.

    Die Glückskette ist eine Stiftung, gegründet auf Initiative der SRG SSR | Partnerschaft & Zusammenarbeit

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    Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Dank der Partnerschaft mit der international tätigen Schweizer Bildagentur Keystone verfügt die Glückskette jederzeit kostenlos über ein umfassendes Angebot an aktuellen Bildern.

    Keystone wirft einen Schweizerischen Blick auf unser Land und die Welt. Mit einem Team von 20 festangestellten Fotografinnen und Fotografen in der ganzen Schweiz und internationalen Partneragenturen wird sichergestellt, dass kein aktuelles Ereignis verpasst wird. Als grösste Bildagentur der Schweiz verfügt Keystone ausserdem über einen fast unendlichen Fundus zur sozialen Geschichte der Schweiz (rund 11 Millionen Archivbilder).

     

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    Ein nationaler Sammeltag der Glückskette ist ohne das Telefondispositiv von Swisscom undenkbar: zwischen 120 und 150 Telefonleitungen werden – regional sortiert – in sechs Sammelzentralen – die ebenfalls von der Swisscom ausgerüstet werden – geleitet. Am Tsunami-Sammeltag beispielsweise wurden so über 70'000 Anrufe bewältigt. Diese Dienstleistung ist an Sammeltagen gratis.

    Das Internet als Kommunikationsmittel ist auch bei der Glückskette zentral. Die Swisscom AG unterstützt deshalb Jahr für Jahr den Internetauftritt der Glückskette mit einem namhaften Betrag. Swisscom (früher PTT) ist seit über sechzig Jahren treue Partnerin der Glückskette.

    SRG SSR

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    Die Glückskette entstand 1946 als Radiosendung in der Westschweiz – ihre erste Sammlung galt Waisenkindern des 2. Weltkriegs. Die Idee wuchs und wuchs und 1983 wurde die Glückskette eine von der SRG initiierte Stiftung. Die Glückskette ist heute eine Stiftung, welche Spenden sammelt für humanitäre Hilfsprojekte nach wie vor angeführt durch die SRG SSR.

    An nationalen Solidaritäts- und Sammeltagen ist die «Glückskette» der Ausdruck von Solidarität und Hilfe der gesamten Bevölkerung in der ganzen Schweiz. Dies ist nur möglich, weil die SRG SSR ihre Sendungen kostenlos der Glückskette zur Verfügung stellt. Die Glückskette ist selber – mit wenigen Ausnahmen – keine Hilfsorganisation, sondern ein Solidarwerk, welches zurzeit mit  25 Schweizer Hilfswerken zusammenarbeitet.

    Die Verbundenheit mit der SRG SSR zeigt sich darin, dass die Unternehmenseinheiten SRF, RTS, RTR und RSI alle mit einem Sitz im Stiftungsrat vertreten.