Text von Félix Bollmann, Direktor der Glückskette
1,5 Milliarden Franken: soviel Spendengelder hat die Glückskette seit ihrer Gründung gesammelt. Allein seit 1985 hat die Bevölkerung der Schweiz der Glückskette über 1,1 Milliarden Franken gespendet – ein grosser Vertrauensbeweis. Für die Zeit zwischen 1946 und 1985 wird die Summe der gesammelten Beiträge auf über 300 Mio. geschätzt. Eine Schätzung, weil es sich auch um Sachspenden handelte, die in den 50er Jahren gesammelt wurden: zum Beispiel Filzhüte, die in Pantoffeln umfunktioniert wurden; Kleider, Würste, Hilfsgüter für das Ausland, Zigaretten für Menschen im Altersheim und vieles mehr. Dieses Sammelsurium an Hilfsgütern füllte die Kellerräume von Radio Lausanne (heute Radio Suisse Romande), bis sie von den Mitarbeitenden des Radios unter Mithilfe von Freiwilligen, Polizisten und Zöllnern schliesslich vom Schweizerischen Roten Kreuz, HEKS oder vom «Centre Social Protestant» verteilt wurden.
Die Idee der Glückskette entsteht in einer Radiosendung
Die Glückskette ist 1946 mehr oder weniger spontan aus einer musikalisch-literarischen Unterhaltungssendung von Radio Lausanne hervorgegangen. Sehr rasch und ohne jegliche Planung entstanden die drei Schwerpunkte der Glückskette, die bis heute gelten: Hilfe für Katastrophenopfer (zu jener Zeit unter anderem für Opfer der Überschwemmungen in der Po-Ebene oder in Lothringen, für die Familien der Opfer eines Grubenunglücks in Belgien usw.), Kinderhilfe (Ferien für Kinder aus den ausgebombten Städten Englands, für Kinder aus Industriegebieten bei uns usw.) und Sozialhilfe Schweiz (Hilfe für Familien von Arbeitslosen, arme Familien auf dem Land, alleinstehende Alte oder Behinderte). Diese drei Tätigkeitsbereiche sind heute in den Statuten der Glückskette festgelegt.
Am bekanntesten sind heute die Sammlungen für die humanitäre Hilfe nach Katastrophen, während die Sammlung für die Kinderhilfe zwar bescheidener, aber dafür permanent läuft. Die Sozialhilfe Schweiz unterstützt seit 1946 jährlich über tausend Personen oder Institutionen in Notlagen.
Die Glückskette wird über die Jahre professioneller...
Im Verlauf der Jahre hat sich die Glückskette, die von Mitarbeitenden der SRG mit einer karitativen Einstellung in einer Radiosendung lanciert wurde, zu einer hoch professionellen Organisation entwickelt. Die Hilfsmassnahmen, die sie unterstützt und bis zum erfolgreichen Abschluss begleitet, werden von 31 spezialisierten Schweizer Hilfswerken geleistet. Dadurch hat die Glückskette an Seriosität, Kompetenz und Effizienz gewonnen. Vielleicht hat sie dabei aber auch etwas von ihrem Humor der Pionierzeit verloren und sich von der Kultur, der Musik und der Literatur entfernt und mehr der Welt der Information zugewandt. Dennoch: zur Zeit von Roger Nordmann, Jack Rollan oder Jean Martel waren Persönlichkeiten oder Künstler wie Henri Matisse, Jean Cocteau, Joséphine Baker, Isabelle Adjani und zahlreiche andere immer wieder wichtige Glieder in dieser Hilfskette und haben das Projekt in den ersten Jahren mitgetragen. Heute knüpft die 2009 lancierte Aktion «Jeder Rappen zählt» von SRF in Zusammenarbeit mit der Glückskette wieder an den Geist dieser unterhaltsamen Sammelaktionen an: junge Moderatorinnen und Moderatoren von DRS 3 sammeln in einer zum Radiostudio umfunktionierten Glasbox Spenden und werden unterstützt von Bundespräsidentinnen und Stars wie DJ Bobo, Baschi und vielen mehr.
... und geniesst das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung
Eine Sendung von Radio Lausanne entwickelte sich seit ihrem Start Ende der 40er Jahre zu einer nationalen und ansatzweise mit «Jeder Rappen zählt» (oder «Serious request» wie sie in anderen europäischen Ländern heisst) zu einer europäischen Angelegenheit, fast so wie sich dies Denis de Rougemont seinerzeit vorgestellt hatte. Was man nach all den Jahren festhalten kann: Die Glückskette verbindet nicht nur die Schweizerinnen und Schweizer untereinander sondern auch mit der Welt. Sie gilt heute als eines der Markenzeichen dieses Landes und übernimmt damit eine grosse Verantwortung. Die Glückskette ist aus dem einfachen Wunsch heraus entstanden, Glück zu verbreiten und das Leben leichter zu machen. Trotz aller technischen Entwicklungen und modernen Mittel mit denen heute auch Spenden gesammelt werden können, lebt der ursprüngliche Geist der Glückskette bei jeder nationalen Sammlung mit Hunderten von Freiwilligen wieder auf, wenn sie am Telefon Spendenversprechen entgegennehmen und damit als Teil dieser Kette direkt zur Vertrauensbildung beitragen.








