Nach dem Taifun wieder eigenes Geld verdienen

Interview mit Caroline Schlaufer, Expertin Ökonomie COPRO International

 

Der Taifun Haiyan hatte 2013 auf den Philippinen massive Zerstörungen angerichtet. Nicht nur Häuser wurden zerstört, sondern auch die Lebensgrundlage vieler Menschen, nämlich Landwirtschaft, Fischfang und Kokosplantagen. Die Glückskette hat in der Folge Projekte für die betroffene Bevölkerung finanziert, um ihnen zu neuen Einkommensquellen zu verhelfen.

Caroline Schlaufer, Expertin Ökonomie der Projektkommission der Glückskette, hat im Juli dieses Jahres diese Projekte besucht und überprüft, wie gut sie funktionieren.

 

Frau Schlaufer, Sie waren im Juli auf den Philippinen, wie sieht das Land heute aus, wie viele Schäden des Wirbelsturms Haiyan sieht man noch?

Fast drei Jahre nach dem Taifun ist von den Schäden nicht mehr viel sichtbar. Die meisten Häuser und Gebäude sind wieder aufgebaut. Einzig die vom Wirbelsturm gefällten Kokosbäume wurden an vielen Orten noch nicht wieder ersetzt. In den Köpfen der Menschen ist der Taifun aber noch sehr präsent.

 

Weshalb ist es neben dem Wiederaufbau so wichtig, auch einkommensfördernde Projekte zu finanzieren?

Menschen müssen ja irgendwie ihr Geld verdienen. In den Philippinen ist ein Grossteil der Menschen selbstständig erwerbend, meist in der Landwirtschaft oder im Handel. Der Taifun hat nicht nur die Häuser, sondern auch die Grundlage für diese Erwerbstätigkeit zerstört – zum Beispiel Vieh, einen kleinen Laden, einen Marktstand oder eben die Kokosbäume. Es ist wichtig, dass die Menschen schnell wieder ihr eigenes Einkommen generieren können. Aber leider können die betroffenen Menschen nicht auf eine Versicherung zurückgreifen. Hier setzen diese Projekte an.

 

Geht es den betroffenen Menschen durch diese Projekte heute besser?

In Ost-Samar, der drittgrössten Insel der Philippinen, lebten zum Beispiel viele Menschen vor dem Taifun vom Kokosanbau. Wenn Kokosbäume neu gepflanzt werden, geben sie aber erst nach einigen Jahren erste Früchte. Ein von der Glückskette finanziertes Projekt unterstützt deshalb Kokosbauern darin, ihre Einkommensquellen durch Gemüse- oder Kakaoanbau zu diversifizieren. Das Projekt legt grossen Wert darauf, die Bauern in den lokalen und regionalen Markt zu integrieren. Dadurch leistet es einen Beitrag dazu, die Einkommen der Bauern zu steigern. Durch die Diversifizierung sollen Menschen auch besser von den negativen Auswirkungen zukünftiger Naturkatastrophen geschützt werden.

 

Welche Projekte haben besonders gut funktioniert und weshalb?

Aus meiner Sicht machen Projekte Sinn, welche schon früh nach einer Katastrophe bei der Einkommensförderung ansetzen. Leider denken viele Hilfswerke zuerst an den Wiederaufbau und erst später an die Einkommensförderung. Dadurch müssen Betroffene Schulden machen, um ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Bei Projekten, welche noch über ein Jahr nach einer Katastrophe in der Einkommensförderung tätig sind, haben besonders diejenigen gut funktioniert, die vorhandene Initiativen unterstützen und darauf aufbauen, aber nicht versuchen, lokale Dienstleistungen zu ersetzen.

 

Was hat weniger gut funktioniert und was ziehen Sie für Lehren daraus?

Weniger gut funktionieren aus meiner Erfahrung Projekte, welche auch längere Zeit nach dem Taifun Güter oder Geld verteilen, ohne dass die Begünstigten eine eigene Leistung erbringen müssen. Wenn keine Eigenleistung verlangt wird, beginnen Menschen oft ökonomische Tätigkeiten, welche nicht nachhaltig sind. Schlimmstenfalls führen solche Projekte sogar dazu, dass Eigeninitiative verhindert wird.

 

Ist die Hilfe auf den Philippinen nun abgeschlossen oder wie geht es weiter?

Für eines der Projekte, welches ich besucht habe und das sehr erfolgreich angelaufen ist, wird nun noch eine zweite Phase finanziert. Die anderen Projekte sind bereits abgeschlossen oder laufen Ende dieses Jahres aus.