29.08.2019

Geschichte der Glückskette

Unsere Gründer waren in erster Linie Radiomacher mit einem grossen Herz. Heute sind wir der grösste private Schweizer Geldgeber für humanitäre Hilfe.

Glückskette – Wie vor 73 Jahren alles begann

«Y’a du bonheur pour tout le monde» – Das Glück ist für alle da! Mit einem Lied, einer gewagten Idee und viel Engagement beginnt 1946 die Geschichte der Glückskette.

Die beiden Radiomoderatoren und Entertainer Jack Rollan und Roger Nordmann fühlten sich angesichts der Armut und des Elends nach dem Zweiten Weltkrieg machtlos und fanden, man müsse etwas dagegen unternehmen. Als sie einen Kettenbrief erhielten, hatten sie die zündende Idee: So etwas sollte man machen, einfach als Radiosendung.

Die Idee war sehr gewagt. Die Chefs von der Idee zu überzeugen, war denn auch alles andere als einfach. Doch es gelang! Am 26. September 1946 strahlte Radio Sottens, heute RTS, die erste Glückskette-Sendung aus, um den vom Krieg geschädigten Kindern zu helfen.

Das Glück ist für alle da!

Wer einen Aufruf nach Hilfe besonders gut erfüllen konnte, durfte die nächste gute Tat vorschlagen. So wurde aus dem ersten Spendenaufruf eine eigene, wöchentliche Radiosendung: die «Chaîne du Bonheur», auf Deutsch «Glückskette». Ziel war es, die Kette nicht zu unterbrechen.

Hauptmerkmal der Radiosendung war das Lied die «Gavotte» mit dem Refrain: «Y’a du bonheur pour tout le monde» – Das Glück ist für alle da. Damals kannte in der Westschweiz jeder dieses Lied und die beiden Gründerväter waren regionale Stars, die mit ihrer Sendung durch die Dörfer tourten.

Die Idee wurde kurz darauf von den Radiostationen in der deutschen, italienischen und rätoromanischen Schweiz übernommen. Die Glückskette wurde so zu einer gesamtschweizerischen Aktion.

Heute – 73 Jahre später – haben wir 249-mal zu Spenden für Menschen in Not aufgerufen.

Von Würsten und Zigarren zu komplexen humanitären Projekten

1946 – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – litten auch in der Schweiz viele Menschen unter Armut: Fünfjährige Kinder, die noch nie im Leben ein paar Schuhe besassen, oder eine alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, welche mit 317 Franken im Monat die gesamte Familie ernähren musste.

So wurden denn in den Anfängen vor allem Sachspenden getätigt. Das Radiostudio Lausanne war bald überfüllt mit Kisten voller Zigarren, Würste, Matratzen, Schuhe, Spielwaren und vielem mehr. Ein Radio ist aber kein Hilfswerk und so holte sich Radio Sottens das Schweizerische Rote Kreuz als ersten humanitären Partner mit ins Boot, welcher die Verteilung der Spenden übernahm.

Bargeld statt Naturalspenden

Mit der Zeit lösten die Bargeldspenden die Naturalspenden ab. Doch wie sollte das Geld an die «Gebrechlichen» verteilt werden?

Bevor unsere Sozialhilfe so professionell wurde, wie sie bis Ende 2017 war, mussten die Bittsteller beim Direktor der Glückskette vorstellig werden. Er hörte sich ihre Geschichten an und gab denjenigen ein Nötli, die es wirklich nötig hatten.

Heute haben wir die individuelle Sozialhilfe durch Hilfe in Form von Projekten für Jugendliche und Kinder in Not ersetzt. Über die mit der SRG gemeinsam organisierten Aktionen «Jeder Rappen zählt», «Coeur à Coeur» und «Ogni centesimo conta» finanzieren wir Projekte für die soziale und berufliche (Wieder-) Eingliederung von Jugendlichen und für Kinder, die im eigenen zu Hause Zeuge oder Opfer von Gewalt wurden. Über den Projektansatz können wir nachhaltiger mehr Menschen helfen, ihr Leben positiv zu verändern.

Heute haben wir 26 operationelle Partner und insgesamt 1,8 Milliarden Franken Spenden erhalten. Aus einer Radiosendung sind wir der grösste private Schweizer Geldgeber für humanitäre Hilfe geworden und der humanitäre Arm der SRG.

Die Glückskette in der Deutschschweiz

Die Geschichte der Glückskette beginnt zwar mit einer Radiosendung in Lausanne, aber bereits ein Jahr später übernahmen auch die Radiostudios Basel und Lugano die Idee und die Begeisterung für den «Radio-Kettenbrief» erfasste die ganze Schweiz.

Die erste Sammlung von Basel aus wurde am 19. Oktober 1947 für die sogenannten «Ölsoldaten» durchgeführt. Es handelte sich um Schweizer Wehrmänner, die mit Maschinengewehrkühlöl gebratene Käseschnitten assen und ihr Leben lang an den Folgen der Vergiftungen zu leiden hatten.

Ab 1954 wurde die wöchentliche Sendung eingestellt und gesammelt wurde nur noch bei grossen Katastrophen oder wenn besondere Ereignisse dies erforderten.

60 Prozent der Spenden aus Deutschschweiz

Die Deutschschweiz spielt auch in Bezug auf das Spendenvolumen eine grosse Rolle. Rund 60 Prozent aller Spenden kommen aus der Deutschschweiz, 25 Prozent aus der Romandie, 10 Prozent dem Tessin und 5 Prozent aus der rätoromanischen Schweiz.

Mister Glückskette

In der Deutschschweiz hat ab den 70er-Jahren vor allem die Stimme und das Gesicht von Roland Jeanneret die Glückskette geprägt. Ursprünglich war der bekannte DRS-Journalist am Radiosender 1977 für seinen Chef, der an einem Sammeltag unabkömmlich war, eingesprungen.

Auf die Frage, was er denn da genau machen müsse, sagte ihm sein Chef, es sei sehr einfach:

«Mach, dass möglichst viel Geld reinkommt!».

Jeanneret war von Anfang an mit viel Herzblut dabei, blieb der Glückskette treu, wurde ab 1991 Delegierter der Glückskette für die deutschsprachige Schweiz und war ab 2000 als die «Stimme der Glückskette» für die ganze Kommunikation der Stiftung verantwortlich. 2011, nach zwei Jahrzehnten, ging Jeanneret in Pension.