06.01.2020

Haiti, 10 Jahre nach dem Erdbeben: Was ist aus den betroffenen Menschen geworden?

Ein Jahrzehnt ihres Lebens war von den Auswirkungen des Erdbebens in Haiti von 2010 geprägt. Die betroffenen Menschen haben die Naturkatastrophe selbst erlebt – sie haben Angehörige verloren und gesehen, wie vieles zerstört wurde. Und sie mussten ihren Alltag unter schwierigen Bedingungen wieder aufnehmen. Wir erholt man sich von einem Erdbeben, dessen soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen noch Jahre später spürbar sind? Hier erzählen drei Haitianerinnen, wie ihnen unsere Partnerhilfswerke mit Ihrer Spende geholfen haben.

Yvelaine, überlebende Schülerin, heute Küchenchefin

«Als das Erdbeben kam, war ich auf dem Schulweg. Ich war 10 Jahre alt. Unser Haus lag in Trümmern. Als provisorische Überdachung verwendeten wir Tücher. Wir waren weder vor Wind noch vor Regen geschützt und wir hatten auch zu wenig Nahrungsmittel.»

Die junge Haitianerin, die schon vor der Katastrophe verwaist war, überlebte die Tage nach dem Erdbeben nur dank der Unterstützung eines Familienzentrums unseres Partnerhilfswerks Terre des hommes – Kinderhilfe. «Dort bekamen wir jeden Tag eine warme Mahlzeit und Wasser», erinnert sich Yvelaine. Später konnte sie im Familienzentrum auch Schulungen machen.

«Ich habe gelernt, wie ich mich schützen kann. Viele Mädchen und junge Frauen wurden Opfer von Missbrauch.» Dank Ihren Spenden konnte Yvelaine eine Ausbildung zur Küchenchefin machen. «Momentan arbeite ich nicht in Vollzeit, aber ich koche oft für an Anlässen für private Autraggeber. Mein Traum ist es, Konditorin zu werden.» Dieses Jahr wird Yvelaine 20 Jahre alt.

Chantanne, ein neues Leben dank Kaninchenzucht

«Ich kam gerade von meinem Garten, wo ich Kohl anpflanzte, als die Erde bebte. Ich habe Familienmitglieder und Freunde verloren», erzählt Chantanne, 39, Mutter eines 18-jährigen Sohns. «Seit dem Erdbeben von 2010 hat sich viel verändert.

Das Leben ist schwierig, aber mit der Hilfe, die wir erhalten haben, konnten wir uns wieder eine Grundlage aufbauen.» Chantanne war in ihrer Region an Aufforstungsprojekten beteiligt und konnte mit der Unterstützung unseres Partnerhilfswerks Caritas eine Kaninchenzucht aufbauen, um ihre Arbeit als Gärtnerin breiter zu fächern.

«Ich erhielt sechs Kaninchen, die sich dann vermehrten – und ich gab sechs an eine andere Familie. Sie sind ein gutes Nahrungsmittel für Diabetiker und mangelernährte Kinder. Die Kaninchenzucht ist jetzt mein neues Leben.»

«Seit 2010 bin ich Maurerin»

«Unser Haus wurde vom Erdbeben komplett zerstört und wir verloren unser ganzes Vieh. Damals lebte ich noch mit meinen Eltern und wir hatten kein Geld», erinnert sich Bellany.

Die Spargruppe, die unser Partnerhilfswerk Helvetas nach der Naturkatastrophe in Haiti eingerichtet hatte, half der jungen Frau und ihrer Familie, sich wieder eine Zukunft aufzubauen. Das Hilfswerk schulte Bellany in Konstruktionstechniken für Latrinen. Heute kann sie von dieser Tätigkeit leben und hilft gleichzeitig ihrer Gemeinschaft.

«Seit 2010 bin ich Maurerin», sagt die junge Frau. «Und ich schule die Familien, mit denen wir arbeiten, im Gebrauch der Latrinen.» «Gleichzeitig entwickle ich ein Sparprojekt. Ich bin für drei Spargruppen verantwortlich. Mit meinem Ersparten will ich mir irgendwann ein Haus bauen. Ich bin schwanger und werde für die Zukunft meines Kindes aufkommen können.»