Hunger in Ostafrika

Hunger in Ostafrika: Vor genau 6 Monaten, am 23. November 2022 führte die Glückskette einen nationalen Solidaritätstag für Ostafrika durch, um den von der verheerenden Dürre betroffenen Menschen zu helfen. In der Zwischenzeit hat die Stiftung rund 80% der erhaltenen 14 Millionen Franken in mehr als 20 humanitäre Projekte in Kenia, Somalia und Äthiopien eingesetzt und unterstützt fast eine halbe Million Menschen mit Hilfe. Die Situation am Horn von Afrika bleibt allerdings prekär und die Bevölkerung ist nach wie vor auf Unterstützung angewiesen.

Spendenstand : CHF 14'641'468

 

Hunger in Ostafrika: Eine Situation, die sich über Jahre verschlimmert hat

Das Horn von Afrika – Kenia, Somalia und Äthiopien – erlebt derzeit die schlimmste Dürre der letzten 40 Jahre. Sechs aufeinanderfolgend schlechte Regenzeiten führten zu einer aussergewöhnlichen Dürre in Somalia, im Süden und Südosten von Äthiopien und im Osten von Kenia. Die steigenden Lebensmittelpreise als Folge des Krieges in der Ukraine, Konflikte und fehlende Gouvernanz in der Region verschärfen die Lage der betroffenen Bevölkerung zusätzlich. Viele Menschen haben keine andere Wahl, als auf der verzweifelten Suche nach Nahrung, Weideland, Wasser und alternativen Lebensgrundlagen ihr Zuhause zu verlassen.

Dank der Solidarität der Schweizer Bevölkerung leistet die Glückskette Hilfe in den von der Dürre schwer betroffenen, meist sehr isolierten Regionen. Vielerorts verendeten beispielsweise bis zu 90% des überlebenswichtigen Viehbestandes. Die Menschen vor Ort befinden sich in einer prekären Lage und fürchten um ihre Zukunft. Die Glückskette finanziert Projekte ihrer Schweizer Partnerorganisationen zur Behandlung und Prävention von Mangelernährung, insbesondere bei Kindern, Schwangeren und stillenden Müttern, sichert den Zugang zu Gesundheitsdiensten, Nahrungsmitteln und Wasser und unterstützt die Familien, die Agrar- und Viehzucht betreiben. 45% der gesammelten Spenden wurden in Äthiopien, 35% in Kenia und 20% in Somalia eingesetzt. 

 

 

 

 

Hunger in Ostafrika – die Zahlen

 

António Guterres, UN-Generalsekretär warnte vor einem «Wirbelsturm des Hungers» und sagte «Wir müssen alles tun, um einen Zusammenbruch des globalen Ernährungssystems zu verhindern. Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Angriff auf die am meisten gefährdeten Menschen und Länder der Welt.»

Hunger durch Dürre: Humanitäre Katastrophe droht

Angesichts des Ausmasses der Auswirkungen der Dürre werden die betroffenen Bevölkerungsgruppen viele Jahre brauchen, um sich von den Folgen zu erholen und ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen. Es müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, um die Auswirkungen des Klimawandels langfristig zu bewältigen, insbesondere durch Investitionen in widerstandsfähige Lebensgrundlagen. 

Nothilfe für Menschen mit Behinderungen

 

Menschen mit Behinderungen sind von der Nahrungsmittelknappheit besonders betroffen. Sie sind in der Bewältigung ihres Alltags oft auf ihre Angehörigen angewiesen. Die Christoffel Blindenmission Schweiz unterstützt diese Menschen in Turkana County in Kenia mit Krücken, Rollstühlen, Hörgeräten und anderen Mobilitäts-, Seh- und Hörhilfen und ermöglicht ihnen medizinische Behandlungen.

 

Zugang zu medizinischer Versorgung und Ernährung

 

Die sichtbarste Folge der aktuellen humanitären Krise am Horn von Afrika ist die akute Unterernährung eines Teils der Bevölkerung. Mehrere unser Schweizer Partnerorganisationen wie Medair, die Stiftung Terre des Hommes und Save the Children Schweiz unterstützen Gesundheitszentren und leisten lebensrettende Ernährungshilfe für Kleinkinder, schwangere Frauen und frischgebackene Mütter.

 

Zugang zu Trinkwasserversorgung

 

Durch die Dürre und die Abwanderung der Bevölkerung auf der Suche nach Wasser werden viele lebenswichtige Brunnen überbeansprucht oder beschädigt. Deshalb saniert und wartet HEKS mit Unterstützung der Glückskette die beschädigten Brunnen und sichert so die  Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung in Konso, Äthiopien.

Unterstützung von Nomadenfamilien 

Am Horn von Afrika sind viele Familien von gesundem Vieh abhängig. Es liefert wichtige Milch und Fleisch, welches zum Überleben benötigt wird, insbesondere von Kindern, stillenden und schwangeren Frauen, älteren und kranken Menschen. Aufgrund der Dürre sind in einigen Regionen bis zu 90% des Viehbestands verendet. VSF-Suisse unterstützt diese Nomadenfamilien durch die Bereitstellung von Futtermitteln und tierärztlichen Dienstleistungen für das Vieh sowie durch Geldtransfers, um den Familien zu helfen, sich auf den lokalen Märkten mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Finanzielle Unterstützung

In Äthiopien vergibt Helvetas Bargeldzuschüsse an Frauenvereinigungen, um sie bei der Entwicklung einer nachhaltigen Lebensgrundlage zu unterstützen und so die Gemeinschaften gegen klimabedingte Dürren zu stärken. Diese finanzielle Unterstützung wird mit Schulungen kombiniert, welche die Begünstigten in die Lage versetzen, einen Geschäftsplan zu entwickeln und ihre Unternehmen ordnungsgemäss zu führen.  

 

"Die Ernährungsunsicherheit ist die sichtbarste Folge der Klimakrise am Horn von Afrika, aber die Auswirkungen der Katastrophe gehen weit darüber hinaus: Viele Familien können sich den Schulbesuch ihrer Kinder nicht mehr leisten, Frühverheiratungen, Gewalt gegen Frauen und Konflikte sind weitere dramatische Auswirkungen der Dürre."
Aurore Geiser, Verantwortliche Humanitäre Programme

Fragen zum Hunger in Ostafrika:

Die aktuell verheerende Situation rund um die Dürre in Ostafrika hat mehrere Ursachen: Wiederholend ausbleibende Regenfälle machen es für die Bevölkerung unmöglich, sich für kommende Dürren vorzubereiten oder Reserven anzulegen. Denn die Idee von Reserven – das kann Nahrung sein, aber auch Vieh oder Saatgut – ist, dass man in schlechten Zeiten davon zehren kann. Wenn es aber mehrere Jahre in Folge nicht möglich ist, Reserven anzulegen, kann man in einer schlimmen Situation wie jetzt auch nicht davon zehren. Weitere Faktoren, die die Situation beeinflussen, sind Konflikte, die Familien zwingen, ihr Zuhause, ihr Vieh oder ihr Weideland zu verlassen, steigende Nahrungsmittelpreise aufgrund des Krieges in der Ukraine oder auch Heuschreckenplagen, die in den vergangenen Jahren grossflächige Ernten zerstörten.

Im Jahr 2017 sammelte die Glückskette mit Hilfe der Schweizer Bevölkerung über 19 Millionen Franken Spenden für die Hungerkrise am Horn von Afrika. Damit ermöglichten wir über 20 Projekte von 12 unserer Schweizer Partnerorganisationen und halfen mit, die damals ebenfalls dramatische Lage abzuwenden. Wie schon im Jahr 2017 hat sich die Situation auch jetzt über einen längeren Zeitraum schleichend verschlechtert. Aktuell kommen allerdings weitere Faktoren dazu, die dazu führen könnten, dass sich die Situation noch weiter verschlimmert – allen voran die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die globale Ernährungssituation. Doch auch die Dauer der Dürre, die die Bildung von Notvorräten verunmöglicht, Konflikte oder die von Covid-19 angeschlagene Wirtschaft bringen Millionen von Menschen in Existenznot.

Mit Spendengeldern aus der Schweizer Bevölkerung können wir beispielsweise gemeinsam mit unseren Schweizer Partnerorganisationen vor Ort Projekte umsetzen, die der Bevölkerung Zugang zu Lebensmitteln und Trinkwasser verschaffen. Zudem ermöglichen wir es Menschen – trotz des Verlusts ihrer Lebensgrundlage – Nahrung zu kaufen oder wir behandeln kranke und verletzte Personen. Mit den Spendengeldern finanzieren wir Projekte unserer Schweizer Partnerorganisationen vor Ort.

Über 36 Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia sind aufgrund der aktuellen Dürre von Nahrungs- und Wasserknappheit betroffen.

Dies trifft Kinder besonders hart: Fünf Millionen Kinder sind unterernährt. Dadurch sind sie geschwächt und können deutlich schlechter gegen Krankheiten wie Cholera oder Durchfallerkrankungen angehen.

Die aktuelle Dürre in Ostafrika ist ein Resultat von mehrjährig ausbleibenden oder unterdurchschnittlichen Regenfällen in der Region. Die Dürre ist mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Klimawandel bedingt and könnte eine der schlimmsten Krisen in der jüngeren Geschichte des Horns von Afrika werden. Zu den klimatischen Herausforderungen aufgrund der unterdurchschnittlichen Regenmenge kommen noch Faktoren wie Konflikte, steigende Lebensmittelpreise oder Heuschreckenplagen hinzu, die die Situation zusätzlich erschweren.

Ja, der Ukraine-Krieg hat einen grossen Einfluss auf die Situation in Ostafrika, aber auch auf andere Regionen der Welt. Die Ukraine und Russland sind für 30% des weltweiten Weizenhandels verantwortlich. 20% des weltweiten Maisangebots kommen aus den beiden Ländern, sie produzieren gar 80% des weltweiten Sonnenblumenöls. Fällt dieses Angebot aus der Ukraine und Russland weg, können die Menschen in Ostafrika weniger Nahrungsmittel importieren oder werden von steigenden Lebensmittelpreisen stark getroffen. Vor allem Länder, die eine grosse Menge dieser Nahrungsmittel importieren sind enorm betroffen – Somalia importierte beispielsweise 90% seines Weizens aus der Ukraine und steht nun vor zusätzlichen Problemen.

Die vor Ort tätigen Schweizer Partnerorganisationen der Glückskette – unter anderen Caritas Schweiz, HEKS, Die Stiftung Terre des hommes, Helvetas, Medair und Save the Children Schweiz – leisten bereits Nothilfe, um durch Geldverteilungen den Zugang zu sauberem Trinkwasser, Gesundheitsversorgung und Nahrungsmitteln zu gewährleisten. Ausserdem führen sie Projekte zur Behandlung und Prävention von Unterernährung bei Kindern und schwangeren oder stillenden Frauen durch.

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