24.03.2021

Wie sich die Menschen auf der Insel Sulawesi nach jüngsten Katastrophen zu Experten mausern

Zweieinhalb Jahre nach dem Erdbeben und seinem zerstörerischen Tsunami von 2018 erlebten die Bewohnerinnen und Bewohner von Sulawesi Anfang Jahr erneut ein verheerendes Erdbeben. Dieses Mal 500 Kilometer weiter südlich. Welchen Einfluss diese Distanz auf die Unterstützung durch unsere Partnerhilfswerke und die Solidarität unter den Menschen hat, erzählen wir Ihnen hier. Blicken wir zurück.

Die doppelte Naturkatastrophe

Am frühen Abend des 28. September 2018 ereignete sich ein Erdbeben mit einer Stärke von 7,5 und löste einen Tsunami aus. Die doppelte Naturkatastrophe traf die indonesische Insel Sulawesi, insbesondere die Region um die Stadt Palu im Nordwesten, hart und sorgte für ein katastrophales Ausmass an Zerstörung. Über 60’000 Menschen verloren ihr Zuhause und mehrere hunderttausend waren dringend auf Hilfe angewiesen. Nur wenige Tage nach diesen schrecklichen Ereignissen organisierten wir im Oktober einen nationalen Solidaritätstag und sammelten dann und in den Wochen danach über 13 Millionen Franken Spenden für die Opfer des Erdbebens und des Tsunami.

 

 

In drei Phasen zurück in den Alltag

Unmittelbar nach der Katastrophe begannen wir zudem mit der Finanzierung der überlebensnotwendigen Nothilfe. Unsere Partnerhilfswerke unterstützten in den nächsten Wochen die Opfer mit dem Nötigsten zum Überleben. In einer zweiten Phase finanzierten wir Hilfsprojekte, die die Menschen beim Zurückfinden in den Alltag begleiteten. Beispielsweise mit Schulungen zum Wiederaufbau des eigenen Hauses oder Unternehmens. In der dritten Phase fokussierten sich unsere Partnerhilfswerke auf den ganzheitlichen Wiederaufbau der lokalen Wirtschaft sowie die gezielte Vorbereitung der Bevölkerung Sulawesi‘s auf künftige Erdbeben und ihre Folgen, damit sie als Bewohnerinnen und Bewohner einer besonders von Erdbeben gefährdeten Region künftig bestmöglich agieren können. In dieser letzten Phase der Erholung befand man sich nach wie vor, als sich nur knapp zwei Jahre später am 14. und 15. Januar 2021 zwei weitere Erdbeben ereigneten.

 

Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe

In der Nähe der Stadt Majene, etwa 500 Kilometer von Palu entfernt, ereigneten sich zwei aufeinanderfolgende Erdbeben mit den Stärken 5,9 und 6,2. Dieses Mal glücklicherweise ohne Tsunami. Schätzungsweise 100 Menschen starben und bis zu 30’000 waren ohne Obdach. In kürzester Zeit wurden von den Behörden und den Einwohnern gemeinsam 25 Notunterkünfte für die betroffenen Menschen aufgebaut. Die weltweite Coronavirus-Pandemie war für das nahe Zusammenleben aufgrund der kaum einzuhaltenden Schutzmassnahmen eine besondere Herausforderung, weshalb die Partnerhilfswerke auch Hygienemasken und Desinfektionsmittel verteilten. 

Erneut sofortige Unterstützung an mehreren Fronten

Da einige unserer Partnerhilfswerke sich bereits gemeinsam mit lokalen Nonprofit-Organisationen auf der Insel engagierten, konnten sie unmittelbar nach den Ereignissen im Januar Nothilfe leisten. Sie kauften Baumaterialien wie Planen, Seile oder Nägel und verteilten sie an die Menschen, deren Häuser beschädigt oder ganz zerstört worden waren. Ebenfalls unterstützten sie die Betroffenen sofort mit Bargeldhilfe. Dadurch, dass die lokalen Märkte nach wie vor geöffnet und lokale Produkte verfügbar waren, konnten die Menschen mit dem Geld Lebensmittel, Hygieneprodukte oder andere Güter des täglichen Bedarfs kaufen. 

Dank Ihrer Spenden aus dem Jahr 2018 für die betroffenen Menschen in Sulawesi unterstützen unsere Partnerhilfswerke in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen auch 2021 mehrere tausend Menschen bei der Rückkehr in ihren Alltag.

Unsere Partnerhilfswerke nehmen sich nach wie vor vielen weiteren Herausforderungen an. Nachfolgend einige Beispiele: 

  • Save the Children informiert Kinder über den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie und richtete Händewaschstationen ein.
  • Solidar Suisse organisiert einen Wassertransport von mehreren Quellen in die Dörfer und stellt sicher, dass dieses nicht verunreinigt wird.
  • ADRA rekrutiert Freiwillige, die die betroffenen Menschen beim Wiederaufbau ihres Hauses unterstützen. Zusätzliche, geschulte Personen beraten die Menschen bei der Entscheidungsfindung, ob und wie ihr Haus abgebrochen und neu aufgebaut oder repariert werden soll.
  • Caritas Schweiz verteilt Desinfektionsmittel, Masken, Thermometer, Grosspackungen Reis und wegen der aktuellen Regenzeit Zelte, Matratzen und Teppiche.
  • Die CBM Christoffel Blindenmission Schweiz unterstützt insbesondere Menschen mit Behinderungen und von Armut betroffene Menschen, die in Zelten leben, mit Hygienekits und Bargeldhilfe.

Die Solidarität

Erst etwas mehr als zwei Jahre ist es her, seit die Menschen von Palu 2018 Opfer der doppelten Naturkatastrophe wurden – noch haben sich nicht alle von ihnen erholt. Etwas hat sich aber verändert. Sie sind es, die Expertinnen und Experten im Wiederaufbau nach einem Erdbeben und Tsunami geworden sind. Und diese Expertise geben sie gerne weiter: Viele Mitarbeitende von lokalen und internationalen Hilfswerken reisten 500 Kilometer nach Majene, um die Menschen, die im Januar 2021 ebenfalls von einem Erdbeben heimgesucht worden sind, mit Rat und Tat zu unterstützen. Ihre grosse Solidarität ist besonders wertvoll, weil sie – nicht nur im übertragenen Sinn – die gleiche Sprache sprechen.